PHERNUNPHTIN forte! (bei Heideggeritis und Existenzangst)

[Laut Emmanuel Faye hat Heidegger] den Nationalsozialismus in die Philosophie eingeführt. Damit war eine weitreichende Forschungshypothese formuliert, die Heideggers Denken abspricht, Philosophie zu sein, und fordert, dieses Denken unter dem Gesichtspunkt zu untersuchen, dass es sich sowohl nach seinen Inhalten als auch nach seinem Denkstil und seinen Methoden um eine Form politisch rechter, nationalsozialistisch infiltrierter Weltanschauung handelt.

Marion Heinz, Sidonie Kellerer: „Einleitung: Die neue Heidegger-Debatte“, in: dies. (Hg.): Heideggers „Schwarze Hefte“. Eine philosophisch-politische Debatte, Frankfurt a.M. 2016, S. 19.

Der Erkenntnisfortschritt trällert unaufhaltsam. Die Wissenschaft hat festgestellt („widde widde witt bumm dumm“), dass bereits „Sein und Zeit“ (alles andere von Heidegger sowieso) NS enthält. Im Einzelnen gefunden wurden: Antisemitismus, Antiamerikanismus, Antibolschewismus sowie: Nekrophilie, Gräkophilie, Megalomanie, Existenzangst, Entschlossenheitswahn, nihilistische Verstimmung, Begründungszwang, Sorgesyndrom, chronisch narzißtische Daseinsstörung. Das klinische Bild ist der Horror. Es kann sich nicht um richtige, also irgendwie normale, demokratisch fortschrittliche Philosophie handeln, stattdessen nur um ein zwanghaftes Denken, das nach Inhalt, Denkstil und Methode eine „Form politisch rechter, nationalsozialistisch infiltrierter Weltanschauung“ ist. Und folglich muss man das irrtümlich als Klassiker der (sogenannten) „Fundamentalontologie“ herumgereichte Buch (dessen Inhalt, wie gesagt, die Form einer Weltanschauung hat, auch wenn es wie Philosophie aussieht) auch nicht mehr lesen, jedenfalls nicht mehr philosophisch. Man muss es klinisch betrachten, am besten als die Denkwürdigkeiten eines herumirrenden Seinskranken und Polit-Psychopathen. Was mit Phänomenologie, Hermeneutik, Platon, Aristoteles, Descartes etc. pp. hausieren geht, ist in Wahrheit ein wüstes Pamphlet – das man philosophisch glatt vergessen kann, ja muss. Das sagen übrigens auch der Verfassungsschutz und die Anstaltsleitung!

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[„Sein und Zeit“, Original-Manuskript, Archiv des Sanatoriums „Belchenblick“]

Und es ward Licht! Unvorstellbar, wie erkenntnisarm und einfältig die Leute früher waren, selbst wenn sie Walter Benjamin, Jean-Paul Sartre, René Char, Herbert Marcuse, Kostas Axelos, Hubert Dreyfus, Paul Celan, Ute Guzzoni, Ingeborg Bachmann, Karl Lehmann (und wie auch immer) hießen. Man kann sich das gar nicht mehr vorstellen, wie man seinerzeit, als die Faye’sche Hypothese noch unentdeckt war, das absolut Offenkundige absolut nicht bemerken konnte. Unglaublich! Indes: die Erde war damals eine viereckige runde Scheibe, Heidegger ein Philosoph und Hannah Arendt ging als politische Denkerin durch.

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[Hannah Arendt in New York, ca. 1960]

Nach der kopernikanisch-faye’schen Wende muss man sich jetzt natürlich ganz dringend auch Folgendes überlegen. Die Entdeckung ist bestürzend. Wenn die ehrwürdigen, aber leider ahnungslosen Ahnen nämlich eine einfache Tatsache (dass „Sein und Zeit“ ein manisch-nihilistisches NS-Pamphlet ist) nicht bemerkt haben, muss man dann nicht stark vermuten, dass sie alle (bei Derrida und Lyotard wusste man es immer schon, bei Agamben irgendwie auch) sich unbemerkt mit dem Heidegger-Virus nationalsozialistisch infiziert hatten? Dass es sich also um infiltrierte Krypto-Nazis handelt? Ahnungslose Träger des H-Virus. Bei der Dekonstruktion ist man sich bereits ziemlich sicher, dass es sich um eine brandgefährliche Mutation handelt:

 Jedenfalls betrifft die durch die Publikation der Schwarzen Hefte  erzeugte Verunsicherung nicht nur die Validität von Heideggers Denken, sondern auch die postmoderner Versuche, der aufgeklärten Moderne und ihrer Geltendmachung von Vernunftprinzipien im Feld der Theorie und der Praxis durch Dekonstruktion zu begegnen. (ebd., S. 13)

Nicht auszudenken! Der verunsichernde Ober-Nazi-Hammer! Man muss die Ideen- und Vernunftgeschichte des 20. Jahrhunderts schleunigst umhämmern (solange noch Zeit ist), also flächendeckend und genau untersuchen, was und wer da alles weltanschaulich infiziert, infiltriert, subvertiert, pervertiert ist. Es fängt harmlos an, meistens mit der Frage nach dem Unterschied zwischen Sein und Seiendem, aber damit ist das Virus schon aktiv. Der Ausbruch des Nationalsozialismus ist dann eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. Am Ende sind vielleicht nicht nur die Dschihadisten und alle anderen Antisemiten und Antiamerikanisten verkappte Terror-Heideggerianer, sondern irgendwie so ziemlich alle, die bislang eher unverdächtig aussahen, Arendt, Anders, Bachmann, Foucault, Lévinas, Ricœur. Man weiß, dass sie die Bücher seinerzeit angefasst haben im naiven Irrglauben, es handle sich um Philosophie. Wie gesagt: Es ist nicht auszudenken! Eine weitreichendere, alarmierendere und ähnlich niederschmetternde Forschungshypothese hat es schon lang nicht mehr gegeben. Parmenides vielleicht. Sonst höchstens noch Wilhelm Traugott Krug und die sächsische Antifa.

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[Philosophische Spitzenforschung, Universitätsklinikum Siegen: empirische Falsifikation der grottenfalschen Proposition „Die Wissenschaft denkt nicht“; nicht abgeschlossene Versuchsreihe]

Zum Glück haben Emmanuel Faye, Marion Heinz und Sidonie Kellerer aber auch gleich noch einen Impfstoff gegen das H-Virus entwickeln und mitliefern können: Phernunphtin forte!

Der Stoff wird aus trockenvereister Kant-DNA gewonnen (ganz ohne preußische Rückstände), als Adjuvantien dienen: ressentimenthaltiges Modernit (aus Rouen), zehnprozentiges Ödipal (aus der Familie Faye) und kommunikativ gepresster Habermas (aus Starnberg). Die philosophische WHO hat Massenimpfungen an sämtlichen Universitäten dringend empfohlen.

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[Internationales Heidegger-Symposion 2015]

Unterdessen ist es einer Tübinger Forschergruppe gelungen, eine Vorform des H-Virus in den letzten Gedichten Hölderlins zu isolieren. Demnach wäre das H-Virus selbst bereits eine Mutation des ursprünglicheren H*-Prototyps. Die Vermutung geht dahin, dass das H*-Virus auch verantwortlich sein könnte für die (bereits gut dokumentierte) geistige Erregungskrise im sogenannten „Stift“. „Wir stehen“, so Prof. Authenrieth, Leiter der Tübinger Gruppe, „vor einem Quantensprung des viralen mappings der sogenannten Geistesgeschichte und der philosophischen Epidemiologie. Mit der Entdeckung H*-Virus sollte es möglich sein, den gesamten Komplex – von der „Phänomenologie des Geistes“ bis zu „Mein Kampf“ – in seinen diversen Mutationen zu erfassen, gewissermaßen von H* über H zu H‘ und weiter. Das wird dann auch zur target-intensiveren Modifikation von Phernunphtin forte beitragen. Eine Entwarnung, was den Kontakt mit dem viralen H-Komplex angeht, also Hegel, Hölderlin, Heidegger, Hitler usw., können wir beim derzeitigen Forschungsstand noch nicht geben.“

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